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Selbstständig

“Man muss der Typ dafür sein!”

Räume zu schaffen, in denen das Arbeiten für Frauen ein Traum ist. Mit diesem Ziel ist Kristina Schmid vor neun Jahren als Unternehmerin angetreten. Ein nur unvollständig vermieteter Bürokomplex gab den Anstoß für die Geschäftsidee: Die heute 43-jährige Diplom-Kauffrau gründete das Businesscenter „Mein Arbeits(t)raum“ und richtete sich mit ihrem Angebot gezielt an Frauen.  Kristina Schmid_Bild Alexander RüfferFür das Unternehmerinnen-Magazin existenzielle führte ich ein Jahr nach dem Start ein Gespräch mit ihr. Was mir bei meinem Besuch besonders auffiel, war die heimelige Atmosphäre in der Lounge des Businesscenters. Und ein großzügig eingerichtetes Spielzimmer, in dem nur eines fehlte: die Kinder. Eine Betreuung direkt im Haus, angeboten von Erzieherinnen auf selbstständiger Basis, das war der Plan. Doch die Rechnung ging nicht auf. Es blieb nicht der einzige Punkt, an dem die Geschäftsführerin umdenken musste.

Frau Schmid, Sie sind jetzt seit neun Jahren Chefin. Haben Sie sich als Unternehmerin verändert?
Ja, absolut. In die Rolle bin ich nach und nach hineingewachsen, es war ja nicht ganz freiwillig. Vor der Familienphase hatte ich gekündigt, da war also kein Arbeitgeber, zu dem ich zurückgehen konnte. Einen interessanten Teilzeitjob zu finden, mit zwei Kleinkindern im Schlepptau, und dann noch zu sagen: Ich würde mich gerne umorientieren, weil das, was ich vorher gemacht habe, macht mir keinen Spaß – schwierig.

Und heute?
Inzwischen ist es genau umgekehrt, ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, als Angestellte zu arbeiten. Inzwischen bin ich es gewohnt, Entscheidungen selber zu treffen und sie nicht mehr von irgendjemandem abhängig zu machen. Natürlich berate ich mich mit vielen Leuten und hole mir Ideen. Aber letztendlich mache ich es, wie ich meine, und nicht wie ein Chef es meint. Weiterlesen

Von der Musik leben?

„Die Kunst ins reale Leben einbinden, darum geht´s.“

Lutz J. Mays, Bassist, Komponist, Autor und Lehrer

Lampenschirme baumeln im Biergarten über verstreut herumstehenden Tischen und Bänken. Ich ahne, was für ein wunderbarer Ort das hier an lauen Sommerabenden sein muss! Noch pfeift allerdings der Wind sehr heftig um den klotzigen Z-Bau in Nürnberg. Dem roten Backsteinhaus sieht man die Nazi-Vergangenheit auf Anhieb an. Ebenso wie dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, auf dem Grundstück direkt nebenan. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Amerikaner, heute ist der Z-Bau an der Frankenstraße ein Hort der Gegenwartskultur – ein buntes und weitläufiges Biotop für Kreative. Von den langen Fluren gehen Studios und Probenräume ab. Zerbrochene Schallplatten, Collagen, Graffiti und Flyer an den Türen zeigen, wer sich hier im Laufe der Jahre angesiedelt hat – vom Verein für Fahrradkultur bis hin zum Tonstudio sind hier alle Sparten vertreten. „Die Atmosphäre ist unglaublich belebend“, sagt der Bassist Lutz J. Mays, während er im ersten Stock auf seinen Schüler wartet. „Hier sind lauter Leute, die auch spinnen und ihren Wahn leben“, sagt er, und lacht. „Es tut gut zu spüren: Man ist damit nicht alleine.“

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Zwischen Kreißsaal und Werkbank

“Meine Kunst ist für mich Selenhygiene”

Anni Rieck, Hebamme und Künstlerin

Es sind die Hände, die mir sofort auffallen. Kompakt, kräftig, ohne Ringe. Hände, die zupacken können, mit hartem Stein arbeiten, Kinder auf die Welt bringen. Anni Rieck lacht, als sie mich an ihrer Haustür begrüßt. Der überraschte Blick, den ich in ihr „Atelier mit Bett“ werfe, dürfte ihr bekannt vorkommen. Auf 64 Quadratmetern lebt und arbeitet die Künstlerin – wenn sie nicht gerade auf der Geburtshilfestation einer Münchner Klinik ist und werdenden Eltern bei der Geburt ihrer Babys hilft. Überall hängen filigrane Objekte aus Draht und Papier von der Decke. Auch in der Küche, in der ganz offensichtlich überwiegend Espresso gekocht wird. Herd und Spüle sind hier Nebensache. Wo sich andere gemütlich zu Tisch setzen würden, steht eine alte Werkbank mit metallenen Beschlägen. Tiefe Risse und Kerben haben sich ins Holz gegraben, Werkzeuge liegen griffbereit. Ein richtig schönes Stück, das den Raum dominiert und zeigt, worum es hier in erster Linie geht. „Die habe ich mir zu meinem 40. Geburtstag geschenkt“, sagt Anni Rieck. Auch drei Jahre nach dem Kauf noch ganz zappelig vor lauter Freude und Begeisterung über diesen Coup. „An dieser Bank habe ich vor langer Zeit zum allerersten Mal in meinem Leben künstlerisch gearbeitet.“

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