Schlagwort-Archiv: Ausbildung

Reingerutscht ins Marketing

Als ich mit Stephanie Perret zum ersten Mal ins Gespräch kam, dachte ich: Wow, was für ein Werdegang! Mir imponierte die Courage, mit der sich die 39-Jährige immer wieder neue Aufgaben sucht. Und die Energie, mit der sie sich für Menschen einsetzt, die Hilfe brauchen. Ohne Studium, aber mit einem guten Gespür bei der Wahl ihrer Arbeitgeber, war die Berufseinsteigerin nach einer Ausbildung zur Zahnarzthelferin ins Marketing gerutscht. Sie arbeitete für Konzerne wie Red Bull, organisierte „Hochzeiten auf der Alm“, nahm eine syrische Familie auf und engagierte sich nebenberuflich als Familienbegleiterin in der Kinderhospizarbeit. Daraus ist ein Beruf geworden:  Seit anderthalb Jahren managt Stephanie Perret die Öffentlichkeitsarbeit  der Stiftung Ambulantes Kinderhospiz in München. „In der freien Wirtschaft würde ich deutlich mehr verdienen“, räumt sie ein. „Aber meine Arbeit hier macht Sinn und das ist gut.“

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1000 Zufälle

„Man bekommt so viel zurück!“

Ihren Traumjob musste sie aufgeben, dann gründete sie ein Geschäft. Heute arbeitet Sabine Füchtenhans in der Altenpflege – und ist damit glücklich.

Der Traum vom eigenen Laden endete für Sabine Füchtenhans nach 16 Jahren. Klein und fein war ihr Angebot, mit dem sie sich Mitte der Neunziger selbstständig gemacht hatte, in bester Lage, direkt am Marktplatz im westfälischen Warendorf. Die Einzelhandelskauffrau setzte auf Klasse und baute sich mit Anfang dreißig ein Modegeschäft auf, in dem sie hochwertige und exklusive Labels führte. Das Konzept ging auf. Doch in den letzten Jahren wurde es von Tag zu Tag schwieriger, Umsatz zu machen. „Danke für die Beratung, ich kaufe es im Internet“, immer häufiger verabschiedeten sich Kunden nach intensiver Beratung und kauften die Ware im Netz. „Manche legten die Kleidung auch direkt auf die Theke und fotografierten das Etikett mit dem Warencode ab“, erzählt Sabine Füchtenhans und schüttelt den Kopf.  Nach drei Wochen Urlaub in 16 Jahren und unendlich vielen Sieben-Tage-Wochen reichte es ihr: Sie schloss die Tür zu ihrem Modegeschäft ein letztes Mal hinter sich zu und wandte sich einer neuen, ganz anderen Aufgabe zu.

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Mein erster Auftritt als Figurenspielerin

Antje Töpfer, diplomierte Figurenspielerin

Ein Schauspieler hat nur sich selbst als Material, um seine Rolle daraus zu formen. Der Reiz am Figurenspiel liegt für mich darin, dass ich immer ein Objekt habe, mit dem ich arbeiten kann. In meiner aktuellen Inszenierung lasse ich mich zum Beispiel von einer meterlangen Papierfigur inspirieren, die ich selber gebaut habe. Es ging um das Zusammenspiel von Körper und Material. In meiner allerersten eigenen Produktion nach dem Diplom waren Lautsprecher  meine einzigen Mitspieler. In dem Solostück beschäftigte ich mich mit der Isolationshaft von Ulrike Meinhof. Was macht dieses Alleinesein mit einem Menschen? Das war die Frage, der ich nachgehen wollte. Ich trug ein magnetisches Kostüm mit Schnallen, die Lautsprecher, aus denen Stimmen und Geräusche kamen, hafteten an meinem Körper. Ich bewegte sie und sie bewegten mich. Trotzdem war es für mich neu, so exponiert als Figur auf der Bühne zu stehen, ohne eine Puppe oder eine Maske, hinter der ich mich verstecken kann.

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Mein erster Einsatz als Rettungssanitäter

Tarek Nabih, Rettungsassistent und Medizinstudent

Ich war gerade eine Woche mit der Ausbildung zum Rettungsassistenten fertig, als wir nach Pasing gerufen wurden. Ein Mann war in seiner Autowerkstatt zusammengebrochen – Verdacht auf Herzinfarkt. Maximal zehn Minuten später waren wir vor Ort. Der Mann lag bewusstlos mitten in der Werkstatt, überall waren Menschen. So eine Situation ist auf den ersten Blick nicht leicht zu überblicken. Doch dann sahen wir die Kollegen: Die Automechaniker hatten sofort mit Herzdruckmassagen angefangen und knieten in voller Montur um den Chef herum.

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Auf Maß geschneidert

„Gezaubert wird im nächsten Leben!“

Carola Sonnenburg, Erzieherin, Bürokauffrau und Schneiderin

O´zapft is! Und wie in jedem Jahr zum Oktoberfest dirndelt es in den Münchner U-Bahnen und Straßen wieder ganz kräftig. Der Hotspot des Trachten-Treibens ist vom Glockenbachviertel zwar weit genug entfernt. Die Vorboten des Mega-München-Events habe ich jedoch schon seit Wochen fest im Blick: Von meinem Schreibtisch aus sehe ich direkt ins Schaufenster von Carola Sonnenburg, auf ihre Dirndl, Trachtenblusen oder Schürzen in wechselnden Arrangements. Hier, in der kleinen Schneiderei, fängt die Wiesn-Zeit schon im Frühjahr an, wenn die ersten Teile entworfen und genäht werden. Jetzt, in der heißen Phase, fallen selbst die Zigarettenpausen immer kürzer aus. Ein paar Minuten auf der kleinen Stufe vor dem Laden und schon wirft sich Carola Sonnenburg das Maßband wieder um den Hals. Von meinem Platz am Fenster aus habe ich beobachten können, wie sehr sich ihr Geschäft verändert hat. Vor zweieinhalb Jahren wechselte die Schneiderin den Standort und mietete das Ladenlokal in der Jahnstraße an – „mit Bauchschmerzen!“. Die sind weg.

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