Archiv für den Monat: Dezember 2023

abgefüllt & unverpackt

24 kleine Läden – Ladentürchen Nr. 24

Mit guten Vorsätzen ist es ja so eine Sache. Meistens sind sie schnell wieder passé. Im neuen Jahr weniger Plastik zu verbrauchen, das könnte allerdings ein guter Plan sein. Im Alltag oft schwierig umzusetzen? Ja, das finde ich auch. Heidi Triska hätte da zumindest mal ein paar Ideen, wie es gehen könnte. In ihrem kleinen Laden abgefüllt & unverpackt bietet sie Produkte an, die weitgehend ohne Plastik auskommen.

Der Name ist Programm. In den offenen Regalen stehen flüssige Putz- und Spülmittel in großen Kanistern. Ein Kunde lässt sich gerade  seine Vorräte wieder auffüllen, die Behälter hat er mitgebracht. Die Produkte werden ohne Tenside hergestellt und belasten das Grundwasser nicht. In der Luft liegt ein feiner, frischer Duft. Weiterlesen

Die Mercerie

24 kleine Läden – Ladentürchen Nr. 23

Ein sehr interessanter Satz, den ich an diesem späten Nachmittag höre. Es wird schon Abend, als ich die Mercerie an der Nymphenburger Straße erreiche. Hell erleuchtet liegt der Laden ein wenig nach hinten versetzt in der Dunkelheit. Ich komme hinein, in die wohlige Wärme, und schaue auf: Knöpfe. Mit Blümchen, als Herzchen oder im schlichten Schwarz, angenäht an unzählige kleine Fächer eines mehr als mannshohen Blechschranks.

Eine ganze LKW-Ladung an Fundstücken brachte Sabine Niebler-Reumann vor zehn Jahren mit zurück von ihrem Streifzug über Flohmärkte in Belgien. Sie fand Metallcontainer, Holzschränkchen, Schemel und entzückende Werbeständer für Garnspulen, die heute ausgesprochen retro wirken. Zurück in München packte die gelernte Handarbeitslehrerin den Laster aus und richtete damit ihren Wollladen ein. Weiterlesen

Laden_Grafik_Kunst

24 kleine Läden – Ladentürchen Nr. 22

Mit einem appetitlichen Stück Müller-Thurgau in der Tasche verlasse ich die Käsemaus in der Schulstraße, wende mich kurz nach rechts und stehe vor einem ausgesprochen blickfangreichen Schaufenster. Wow, das ist ja mal ein tolles Küchenbüffet, denke ich beim Hineinblinzeln durch die Scheibe. Voll der 50er Retro-Style. Was es dort sonst wohl noch gibt… Es sieht interessant aus dadrinnen, aber so richtig einordnen kann ich es nicht.

Mir fällt ein, was ich auf meinen Streifzügen durch kleine Läden häufiger hörte: Nicht selten stehen Menschen vor den Fenstern, schauen interessiert hierhin und dorthin, und gehen dann doch weiter. Als wäre da eine Hemmschwelle, die sie daran hindert, einfach hineinzugehen und sich umzuschauen. Warum eigentlich? Kurzentschlossen drücke ich gegen die Eingangstür – und kann nur sagen: Das war eine richtig gute Idee! Weiterlesen

Die Käsemaus

24 kleine Läden – Ladentürchen Nr. 21

Fan-Galerie: Das Logo der kleinen Käsemaus führt im Viertel längst ein Eigenleben.

An der Journalistenakademie, für die ich seit vielen Jahren als Dozentin arbeite, gibt es eine schöne Tradition: Jeder Jahrgang wird mit einem kleinen Käsebüfett verabschiedet, das Institutsleiter Peter Lokk ein paar Ecken weiter bei der Käsemaus besorgt. Der Laden ist in dem Neuhausener Viertel eine Institution – was sich auch an ihrer Nicht-Präsenz im Netz erkennen lässt. „Eine Website brauche ich nicht“, sagt Yvonne Schulz. Und zerteilt beherzt ein Stück Trüffelkäse.

Wer vor den mächtigen Festtagsessen einen schön unkomplizierten Imbiss schätzt, könnte bei ihr an der richtigen Adresse sein. Käse, ein paar Dips, frisches Brot und Wein – was braucht es mehr? Eine Mousse au Chocolat oder Orangentiramisu als Dessert stehen auch in der Kühlung. Weiterlesen

Schachinger Künstlerbedarf

24 kleine Läden – Ladentürchen Nr. 20

Stolz recken sich die Löwen empor, im Wappen der Königlich Bayerischen Hoflieferanten. Wer es auf den Rundbogenfenstern entdeckt, erkennt sofort: Hier ist jemand schon lange im Geschäft. Seit 1877 belieferte Fritz Schachinger die Münchner Kunstszene und eben auch das Königshaus mit allem, was sie zum Malen und Zeichnen brauchten. „Der“ Schachinger zählt zu den alteingesessenen Traditionsunternehmen der Stadt.

Bis heute ist die Familie mittendrin, seit 1994 führt Karin Schachinger die Firma. Wenn viel los ist, steht auch sie mit im Laden. „Ich bin mit all dem hier aufgewachsen“, sagt sie, und schaut sich um. Das Parkett, der lange Verkaufstresen, die vielen Fächer und Schubladen, in denen Papiere, Farben und Pinsel eingeordnet sind. „Schaut mal, so sahen früher Läden aus“, hört Karin Schachinger Eltern manchmal mit ihren Kindern sprechen. Sie lacht. „Stimmt ja auch. Wo gibt es so etwas schon noch?“ Weiterlesen

Clara Niggl

24 kleine Läden – Ladentürchen Nr. 19

In der Adventszeit liebe ich es, noch ein bisschen durch die Dämmerung zu laufen und in die hell erleuchteten Schaufenster zu schauen. Gerne gehe ich die Rumfordstraße entlang, an der Kreuzung zum Viktualienmarkt bleibe ich immer einen Moment stehen und schaue hinüber zu Clara Niggl. Die alten, geschwungenen Werbeinschriften „Damenwäsche. Strümpfe“ auf der einen Seite, „Alles für den Herrn“ auf der anderen, sind so schön nostalgisch. Mitten im szenigen Gärtnerplatzviertel wirkt das kleine Modeatelier am Eck anziehend und heimelig auf mich. Weiterlesen

Engel & Bengel

24 kleine Läden – Ladentürchen Nr. 18

Es waren die Accessoires auf dem Fenstersims, die es mir sofort angetan hatten. Kerzen, kleine Tannenzapfen als Kerzenhalter und orientalisch anmutende Blechtellerchen standen da hübsch vorweihnachtlich drapiert und riefen: Nimm mich mit! Ich nahm sie mit. Und kam wieder.

Der Kinderladen Engel & Bengel an der Inneren Wiener Straße gehört Petra Lock, sie gründete ihn 2004.  Eine große nostalgische Puppenstube, mit lauter hübschen kleinen Dringen darin, erinnert noch an ihre Anfänge als Geschäftsfrau. Denn an Textilien hatte sie anfangs noch gar nicht gedacht. „Ich bekam mein drittes Kind, war zu Hause und begann damit, antike Kindermöbel zu sammeln und für uns herzurichten.“ Weil es Spaß machte und gut lief, verkaufte sie einiges auch weiter. Zunächst auf Weihnachtsmärkten, später in einem kleinen Laden in der Sedanstraße. Dann entdeckte sie eine Marktlücke. Weiterlesen

gangundgäbe

24 kleine Läden – Ladentürchen Nr. 17

Mit einem besonderen Kaffee für Mikro- und Makropausen kann man mir immer eine Freude machen. Häufiger mal kommt er direkt aus der Kapuzinerstraße, wo sich hinter einer Glasfront in einem flachen Bau die Rösterei gangundgäbe verbirgt. Dienstags und donnerstags zieht von hier aus der Duft frisch gerösteter Kaffeebohnen durchs Viertel, bis hinüber zur Lindwurmstraße. An diesen Vormittagen schüttet Andreas Postrach die Kaffeebohnen in den Trichter der großen schwarzen Röstmaschine, die mitten im Café steht. Wenn um Punkt 12 die ersten Gäste kommen, ist alles schon wieder blitzblank. Weiterlesen

Conway’s

24 kleine Läden – Ladentürchen Nr. 16

Was wäre Weihnachten ohne Kerzenlicht? Im Kristallkühler mit Silberrand kommt es besonders stilvoll daher. Elke Conway hat sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: In ihrer Recycling-Werkstatt verwandelt sie antike Kristallkaraffen und „Icebuckets“ in fein duftende, stimmungsvoll leuchtende Einzelstücke. Bei der Herstellung verwendet sie Bio-Öle, cremigen Rapswachs und hochwertige Dochte. Wenn das Gefäß leer ist, füllt sie es gerne wieder auf.

Vom Herrgottschnitzen zum Upcycling

Purer Zufall führt mich an ihrem Laden in der Humboldtstraße vorbei, ein Schild vor der Ladentür macht mich neugierig. Ich folge dem Pfeil durch den Hinterhof und entdecke zwei Frauen in einer geräumigen Werkstatt. Elke Conway stellt sich lachend als „Herrgottschnitzerin“ vor. „Dabei ist es allerdings nicht lange geblieben.“ Nach der Ausbildung arbeitete die Holzbildhauerin in der Requisite am Theater und beim Film, später entdeckte sie das Upcycling als Geschäftsmodell für sich. An diesem Nachmittag macht sie sich gerade an einem alten Büffet zu schaffen, das einen frischen Look erhält. Weiterlesen

notenPunkt

24 kleine Läden – Ladentürchen Nr. 15

Heinz Lebermann verkauft Noten. „Wir sind eine aussterbende Art“, sagt er, und lächelt freundlich. Seit fast 30 Jahren ist der notenPunkt in Haidhausen eine feste Adresse für Musikerinnen und Musiker, auch große Münchner Orchester bestellen ihre Partituren in der Lothringer Straße. „Als wir einzogen, reihte sich hier noch ein kleiner Laden an den anderen“, erzählt der Musikalienhändler, und zeigt auf die andere Straßenseite. Jede Schraube, die er für seine Regale brauchte, konnte er damals noch einzeln direkt gegenüber kaufen. Die hellen Holzregale sind noch da, die Geschäfte nicht.

Übersichtlich nach Instrumenten sortiert, stehen Notenhefte mit Etüden, Sonaten, Kammermusik oder Lehrwerke in den offenen Regalen an der Wand. Das Repertoire deckt alle Epochen und Stilrichtungen ab, bis hin zu Rock, Pop, Jazz und Schlager. Was den Handel speziell mit Noten so schwierig macht: Das Geschäft verlagert sich immer stärker ins Netz. Viele Noten lassen sich einfach downloaden, manche sogar kostenlos. „Große Musikverlage verkaufen inzwischen selbst“, so Lebermann. „Die Marge für Einzelhändler wird deshalb immer kleiner.“ Weiterlesen