Kategorie-Archiv: Politik & Soziales

1000 Zufälle

“Man bekommt so viel zurück!”

Ihren Traumjob musste sie aufgeben, dann gründete sie ein Geschäft. Heute arbeitet Sabine Füchtenhans in der Altenpflege – und ist damit glücklich.

Der Traum vom eigenen Laden endete für Sabine Füchtenhans nach 16 Jahren. Klein und fein war ihr Angebot, mit dem sie sich Mitte der Neunziger selbstständig gemacht hatte, in bester Lage, direkt am Marktplatz im westfälischen Warendorf. Die Einzelhandelskauffrau setzte auf Klasse und baute sich mit Anfang dreißig ein Modegeschäft auf, in dem sie hochwertige und exklusive Labels führte. Das Konzept ging auf. Doch in den letzten Jahren wurde es von Tag zu Tag schwieriger, Umsatz zu machen. „Danke für die Beratung, ich kaufe es im Internet“, immer häufiger verabschiedeten sich Kunden nach intensiver Beratung und kauften die Ware im Netz. „Manche legten die Kleidung auch direkt auf die Theke und fotografierten das Etikett mit dem Warencode ab“, erzählt Sabine Füchtenhans und schüttelt den Kopf.  Nach drei Wochen Urlaub in 16 Jahren und unendlich vielen Sieben-Tage-Wochen reichte es ihr: Sie schloss die Tür zu ihrem Modegeschäft ein letztes Mal hinter sich zu und wandte sich einer neuen, ganz anderen Aufgabe zu.

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Mein erster Einsatz als Rettungssanitäter

Tarek Nabih, Rettungsassistent und Medizinstudent

Ich war gerade eine Woche mit der Ausbildung zum Rettungsassistenten fertig, als wir nach Pasing gerufen wurden. Ein Mann war in seiner Autowerkstatt zusammengebrochen – Verdacht auf Herzinfarkt. Maximal zehn Minuten später waren wir vor Ort. Der Mann lag bewusstlos mitten in der Werkstatt, überall waren Menschen. So eine Situation ist auf den ersten Blick nicht leicht zu überblicken. Doch dann sahen wir die Kollegen: Die Automechaniker hatten sofort mit Herzdruckmassagen angefangen und knieten in voller Montur um den Chef herum.

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Von der Bühne in die Kita

„Unser Team lebt von seiner Vielfalt“

Uwe Volkert, Tänzer und Erzieher

Susann Reese, Tanzpädagogin und Kita-Gründerin

Tür auf, an vielen kleinen Gummistiefeln, Regenhosen, einem Bollerwagen vorbei, und man fühlt sich sofort wohl. Die Wände der Münchner Kindertagesstätte „GemeinsamSein“ sind in warmen Rot- und Gelbtönen gestrichen und liebevoll bemalt. Eine Kladde steht aufgeklappt im Wandregal und zeigt ein Vögelchen mit Noten im Schnabel. Aha, die Eltern sehen beim Abholen also gleich, dass ihre Kinder heute Lieder aus der „Vogelhochzeit“ gesungen haben.

Durch das große Fenster im Eingangsbereich erblicke ich eine Harfe, das schöne Instrument fällt mir sofort ins Auge. Musik, Tanz und Bewegung spielen in diesen Räumen eine große Rolle. Genau deshalb ist Uwe Volkert hier. In blauen Hosen und einem weiten karierten Hemd betritt der Erzieher den kleinen Besprechungsraum. Sein Gang ist gerade, die Bewegungen elastisch – man sieht sofort, dass er viele Jahre als Tänzer auf der Bühne stand. Nicht mit klassischen Ballett-Kompanien, dafür war der Norddeutsche zu spät dran.

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Wunscherfüllerinnen

„Ich wusste genau: Da will ich hin!”

Claudia Hangmann, Maike Labs und Regina Reiffenberg vom Verein “Herzenswünsche”

„Ich kenne keinen Menschen, der morgens so gerne zur Arbeit fährt“, sagt Maria versonnen. Wir stehen zusammen am Küchenfenster und sehen unserer Freundin Claudia hinterher, die gerade ins Büro radelt. Wetterfest verpackt – wir sind in Münster! – macht sie selbst zu dieser frühen Tageszeit einen ausgesprochen munteren Eindruck. Kein Wunder, denn sie hat einen wunderbaren Job: Jeden Tag erfüllen sie und ihre Kolleginnen schwer kranken Kindern lang gehegte Wünsche – kleine, aber manchmal auch ziemlich große. Seit 25 Jahren setzt sich der Verein Herzenswünsche dafür ein, dass junge Patienten etwas haben, worauf sie sich freuen können. Etwas, das ihnen den oft sehr belastenden Klinikalltag ein wenig aufhellt. Und es stimmt tatsächlich: Seitdem Claudia Hangmann für den gemeinnützigen, sehr rührigen Verein die Buchhaltung führt, freut sich die gelernte Bankkauffrau jeden Morgen auf die Arbeit. Auch, wenn dort manchmal Tränen fließen. Weiterlesen

Von der Assistentin zur Chefin

“Arbeit muss auch Spaß machen!”

Esra Kücük, Geschäftsführerin des Dialogforums Junge Islam Konferenz

An einem herrlich sommerlichen Tag radele ich durch Berlin-Mitte. Ich bin auf dem Weg zu Esra Kücük, die ich während der Recherche zu meinem Buch „Wer macht was und was mache ich?“ kennenlernte. Nach dem Politikstudium mit deutsch-französischem Doppeldiplom hatte sie ein Trainee-Programm bei der Stiftung Mercator absolviert und arbeitete für den Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration. Die damals 27-Jährige war persönliche Referentin der Geschäftsführung und forschte zugleich – Respekt! – als Doktorandin der Berliner Humboldt-Universität an einer Promotion zu „neuen zivilgesellschaftlichen Akteuren“. Dazu gehören zum Beispiel Leute, die sich im Internet als Meinungsführer aufspielen und stereotype Bilder von Migranten transportieren.

Das Gespräch war bei mir hängengeblieben. Erstens, weil ich einmal mehr feststellte, dass Stiftungen oft richtig interessante Jobs bieten. Und zweitens, weil mir die Leidenschaft imponierte, mit der Esra Kücük über Integrationsbarometer oder Jahresgutachten zum Einwanderungsland Deutschland sprach und Ideen zu integrationspolitischen Think-Tanks entwarf. Weiterlesen