Kategorie-Archiv: Das erste Mal

Mein erster Auftritt als Figurenspielerin

Antje Töpfer, diplomierte Figurenspielerin

Ein Schauspieler hat nur sich selbst als Material, um seine Rolle daraus zu formen. Der Reiz am Figurenspiel liegt für mich darin, dass ich immer ein Objekt habe, mit dem ich arbeiten kann. In meiner aktuellen Inszenierung lasse ich mich zum Beispiel von einer meterlangen Papierfigur inspirieren, die ich selber gebaut habe. Es ging um das Zusammenspiel von Körper und Material. In meiner allerersten eigenen Produktion nach dem Diplom waren Lautsprecher  meine einzigen Mitspieler. In dem Solostück beschäftigte ich mich mit der Isolationshaft von Ulrike Meinhof. Was macht dieses Alleinesein mit einem Menschen? Das war die Frage, der ich nachgehen wollte. Ich trug ein magnetisches Kostüm mit Schnallen, die Lautsprecher, aus denen Stimmen und Geräusche kamen, hafteten an meinem Körper. Ich bewegte sie und sie bewegten mich. Trotzdem war es für mich neu, so exponiert als Figur auf der Bühne zu stehen, ohne eine Puppe oder eine Maske, hinter der ich mich verstecken kann.

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Mein erster Einsatz als Rettungssanitäter

Tarek Nabih, Rettungsassistent und Medizinstudent

Ich war gerade eine Woche mit der Ausbildung zum Rettungsassistenten fertig, als wir nach Pasing gerufen wurden. Ein Mann war in seiner Autowerkstatt zusammengebrochen – Verdacht auf Herzinfarkt. Maximal zehn Minuten später waren wir vor Ort. Der Mann lag bewusstlos mitten in der Werkstatt, überall waren Menschen. So eine Situation ist auf den ersten Blick nicht leicht zu überblicken. Doch dann sahen wir die Kollegen: Die Automechaniker hatten sofort mit Herzdruckmassagen angefangen und knieten in voller Montur um den Chef herum.

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Meine erste Ausgrabung im Orient

Luise Loges, Altorientalistin, Archäologin und Journalistin

Inmitten einer weiten Landschaft aus Sand erhebt sich der Tell Halaf. Die Grabungsstätte liegt im Nordosten Syriens und gehört zu den berühmtesten Ruinenhügeln des Nahen Ostens. Vor sieben Jahren kam ich als Studentin nach Syrien, um an einem Ausgrabungsprojekt mitzuarbeiten. Vom Flughafen in Aleppo aus fuhren wir mit dem Bus vier Stunden durch die Wüste, bis wir unser Ziel erreichten. Der Hügel mit den Überresten einer Zitadelle ist von weither zu sehen, umgeben von flachem Land mit vielen kleinen, sehr unscheinbaren Orten. Niemals hätte ich gedacht, dass ich die Straßen, die ich damals Tag für Tag überquert habe, jemals in den Abendnachrichten der „Tagesthemen“ sehen würde.

Wo wir uns im heißen Sommer 2008 mehrmals täglich Wassereis im kleinen Laden von Michel holten oder im Sandsturm hockten und aus dem ersten Grabungstagebuch von 1912 lasen, ist heute Kriegsgebiet. Häufig bin ich fassungslos, wenn ich die Nachrichten verfolge. Syrien, Irak – diese Länder waren für mich die Wiege der Zivilisation und hatten mein Interesse an der Archäologie überhaupt erst geweckt. Das Praktikum war meine erste Reise in den Orient und ich war geschockt, wie bettelarm die Menschen außerhalb der größeren Städte wie Damaskus oder Aleppo waren. Damit hatte ich nicht gerechnet. Es gab durchaus auch unangenehme Begegnungen, aber wir lernten viele Leute kennen, die einfach nur toll waren und uns sehr freundlich aufnahmen. In dem Projekt arbeiteten wir mit Einheimischen zusammen, das war oft sehr lustig. Sie konnten kein Englisch, wir nur wenig Arabisch, aber wir haben uns immer irgendwie verständigen können! Das Land, das ich kennengelernt habe, gibt es heute nicht mehr. Über die Straße, auf der ich einer Familie beim Schächten eines Schafes zusah, rollen heute die Panzer. Und um die Prinzessin, die wir damals in einem mehr als 3000 Jahre alten Grab gefunden hatten, kümmert sich heute niemand mehr.

Syrien_Gouverneurspalast

Der assyrische Gouverneurspalast von Tell Halaf. Dort soll jetzt ein Artillerieabwehrgeschütz stehen.

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Angst vorm Serienstempel

Mein erstes Promi-Interview im Bayerischen Hof

Warum ist mir das Gespräch mit dem Schauspieler Klaus Löwitsch so nachhaltig in Erinnerung geblieben? Ich denke häufig daran, wie ich im Juli 1998 den Bayerischen Hof betrat, mich in den verwinkelten Gängen erst einmal verlief und schließlich vor der Suite 49 stand. Als sich die Tür öffnete, sah ich einen kleinen Mann mit Glatze, der sich vom Sofa erhob und mir die Hand entgegen streckte. Ich war kein ausgesprochener Krimi-Fan, aber mehr als sechzig Folgen der Fernsehserie „Peter Strohm“ waren auch an mir nicht vorbeigegangen. Klaus Löwitsch spielte darin einen raubeinigen Privatdetektiv mit grenzwertigen Methoden – das Image „Macho der Nation“ klebte seither an ihm.

Es war mein erstes Interview in einem so hochoffiziellen Rahmen. Für die dpa sollte ich über Löwitsch schreiben, der für seine Rolle in dem Fernsehfilm „Das Urteil“ mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden war. Ich hatte mich gut auf das Interview vorbereitet – und das Bild eines Mannes gewonnen, der mit „inkompetenten Fernsehheinis“ und Journalisten nicht gerade zimperlich umgeht. Wenn ihm Fragen nicht passten, konnte er auch schon mal aufstehen und gehen.

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Auf den Spuren von „Kuli“

Mein erster investigativer Einsatz in Rheine

Maracuja-Saft und Bahlsen-Kekse. Das stand immer auf dem Tisch, wenn wir bei unserer Oma Fernsehen guckten. Peter Frankenfeld, Hans Rosenthal und Hans-Joachim Kulenkampff – das waren die Helden dieser Zeit, die durch die großen Samstagsabend-Shows führten oder bei „Dalli Dalli“ begeistert an die Decke sprangen. „Kuli“ war mehr so der joviale Typ. Ich kannte ihn schon immer. Das muss man wissen, um zu ermessen was es hieß, als ich nach Rheine geschickt wurde, um über ihn zu schreiben.

Rheine. Das war mein Revier. Unter Einsatz großer Hartnäckigkeit, die an Penetranz grenzte, hatte ich es nach dem Studium ins Feuilleton der Münsterschen Zeitung geschafft. Die Hälfte der Woche kellnerte ich, um mir den Job als freie Journalistin leisten zu können. Aber immerhin: Ich schrieb für den Kulturteil. Und nun: Hans-Joachim Kulenkampff, als Anwalt der kleinen Leute im Metropol-Theater in Rheine. Meine Freundin Dagmar, fast gleicher Jahrgang, völlig begeistert von meinem Auftrag, legte die Latte gleich mal ein Stückchen höher: „Du musst ihn sprechen, du brauchst ein Interview mit ihm!“

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Mein erster Termin als Journalistin

Gunda Achterhold, Theaterwissenschaftlerin und Journalistin

Zufällig bin ich auf den Blog Mein erster Termin gestoßen, auf dem der Journalist Markus Kater Kollegen dazu einlädt, sich an ihren ersten Termin zu erinnern. Eine schöne Idee. Und weil es so gut zu meiner eigenen Rubrik passt, in der ich andere über Das erste Mal berichten lasse, lege ich zur Abwechslung einfach mal selber los. Okay, nicht mit meinem ersten Termin. Das wäre ein sehr kurzer Text, auch wenn mir dieser Tag im August 1983, als ein „Blumenstudio in der Beckumer City“ eröffnete, sofort wieder vor Augen steht. Ich hatte den stolzen Besitzer des neuen Blumenladens nicht nach seinem Vornamen gefragt und wurde vom Lokalredakteur der „Glocke“ gleich wieder mit meinem Blöckchen zurückgeschickt. Sehr peinlich. Aber eine wichtige Lehre. Ich habe nie wieder vergessen, die Basics abzufragen. Das war definitiv prägend.

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Das erste Mal als Krisenmanagerin

Meret Brotbek, Procurement Managerin

Mit 24 hatte ich meinen ersten Einsatz als Sicherheits- und Krisenmanagerin in Qatar. Ein absolutes Megaprojekt mit 150.000 Mitarbeitern aus neunzig Nationen. Bei 50 Grad Hitze kam ich mitten in der Wüste an und der Anblick war überwältigend. Eine Riesenanlage aus gigantischen Kühlaggregaten, in denen Gas herunter gekühlt und zum Transport verflüssigt wird. Um mich herum ausschließlich Männer. Alle waren in unförmigen Schutzanzügen angezogen wie Astronauten. Ich wurde sofort davor gewarnt, einfach so aus dem Auto zu steigen – die Männer hatten seit Monaten keine Frau mehr gesehen. Das war der Moment, in dem ich mich fragte: Was tue ich hier eigentlich? Weiterlesen

Das erste Mal im OP

Ulrich Nieper, Chirurg und Orthopäde mit eigener Praxis in München

Es war mein erster Tag im Praktischen Jahr, ich hatte gerade die Chirurgie in der Nußbaumstraße betreten, da packte mich ein Oberarzt und zog mich mit sich. „Sie kommen jetzt gleich mal mit in den OP!“, sagte er. Ich hatte gar keine Zeit, aufgeregt zu sein, es ging alles viel zu schnell. Die Patientin war schon narkotisiert. Ein Metalldraht, der am Ellenbogen eingesetzt worden war, hatte sich entzündet und musste dringend raus. Weiterlesen

Das erste Mal

„Das erste Mal“ – auf meinem Blog!

Angela Merkel hatte „die blanke Panik“, bevor sie ihre erste Rede vor einem CDU-Parteitag hielt. Diese Angst vor dem ersten Mal kennt nicht nur die Kanzlerin. Irgendwann ist es für jeden so weit, da muss man springen: Jeder Chirurg erinnert sich an seine erste Blinddarmoperation, jeder Lehrer an die erste Unterrichtsstunde vor einer Klasse. Auch eine Verhandlung, die man zum ersten Mal eigenverantwortlich führt, oder eine Präsentation vor großem Publikum können extrem schweißtreibend sein. Für die Frankfurter Allgemeine Zeitung habe ich mich umgehört: Wie fühlt sich das an? Und was hilft dabei, mit der Aufregung umzugehen?

Das Ergebnis lesen Sie in den vorweihnachtlichen Wochenendausgaben von FAZ und FAS vom 20./21. Dezember. Und weil das Thema so spannend und facettenreich ist, werde ich mich auf meinem Blog weiterhin damit beschäftigen.

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