Vom Jurastudium zur Trauerbegleitung

Welches Studium passt zu mir?

Die Münchnerin Stefani Stocker hat nach dem Abitur Jura studiert und arbeitet heute in eigener Praxis als Heilpraktikerin für Psychotherapie und als Trauerbegleiterin.
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Liebe Steffi, wie bist du ausgerechnet auf Jura gekommen?

Eigentlich wollte ich Sprachen studieren. Mein Vater war allerdings der Meinung, es sei überhaupt keine gute Idee nur auf die Sprachenschule zu gehen. Er hatte großen Einfluss auf meine Entscheidung und so fing ich an, mich für ein Studium an der Uni zu interessieren. Bei Jura dachte ich tatsächlich selbst, das man damit hinterher eigentlich alles machen kann – was nicht stimmt, wie sich im Nachhinein herausgestellt hat. Aber ich habe es durchgezogen. Und ich fand es auch niemals langweilig oder trocken. Dieses Image, das Jura hat, stimmt aus meiner Sicht so nicht.

Hattest du denn zumindest eine vage Vorstellung, was du damit machen willst?

Ich bin da völlig naiv rangegangen. Ganz klar war für mich, dass ich nicht in diese klassische Juristenrichtung gehe, zum Beispiel als Rechtsanwältin oder ans Gericht. Im Laufe des Studiums fand ich Familienrecht ganz spannend und dachte, damit könnte ich etwas machen. Nach dem Staatsexamen kam dann meine älteste Tochter zur Welt. Danach habe ich den Bezug zu Jura völlig verloren. Das hat den Wiedereinstieg nach der Familienzeit sehr erschwert. Ich wusste einfach nicht, was ich machen sollte.

Was hast du im Studium gelernt?

Struktur. Sachverhalte auf einen Nenner zu bringen und auf die Essenz herunter zu brechen , das habe ich gelernt. Große Texte schnell zu erfassen, auch das lernt man in Jura. Und: Ich kenne mich einfach im Rechtssystem aus – und das bleibt einem auch. Rechtswege, Verfassungsrecht – wer Jura studiert hat, hat das einfach drin.

Und wie sieht das mit dem Lernen an sich aus?

(lacht) Lernen habe ich auch gelernt, ja. Vielmehr: Lernen und an etwas dranbleiben, nicht aufgeben. Du musst Fälle bearbeiten und denkst: Das geht doch gar nicht! Und irgendwann, wenn du immer weiterarbeitest und dranbleibst und liest und machst, geht es dann doch. Beim Lernen auf das Staatsexamen geht es auch gar nicht ohne diese Disziplin, das war schon sehr extrem.

Wie bei der Heilpraktiker-Ausbildung? Da hast du auch monatelang eisern gepaukt.

Das ziehe ich dann durch, ja. Und es fällt mir auch nicht schwer. Wenn ich so einen Berg vor mir sehe habe ich keine Angst, dass ich das nicht bewältigen könnte.

Du hast eine eigene Praxis eröffnet und machst dich jetzt auch als Trauerbegleiterin selbstständig. Inwiefern kommt dir dein Studium heute zugute?

Da ist erst einmal das Fachliche. Ich kenne diese ganzen rechtlichen Rahmenbedingungen, zum Beispiel bei Bestattungen nach Todesfällen. Was darf man, was darf man nicht, welche Vorsorgevollmachten braucht man – das sind alles Fragen, die in der Sterbe- und Trauerbegleitung eine Rolle spielen.
Außerdem komme ich mit meinen Klienten sehr schnell auf den Punkt. Klienten haben natürlich ein Bedürfnis zu erzählen und das ist auch wichtig. Aber zu mir kommen vor allem Selbstzahler, die nicht alle Zeit der Welt haben und in der Hoffnung kommen, dass es ihnen hinterher besser geht. Durch meine Art zu fragen, kommen wir schnell zum Kern der Sache. Das habe ich sicher im Studium gelernt. Auch wenn ich mich da eher selbst befragen musste! Zum Beispiel um herauszukriegen, wie sich ein bestimmter Sachverhalt einem Gesetz zuordnen lässt.

Das sind also Techniken?

Ja, Arbeitstechniken – und natürlich das strukturierte Vorgehen. Dieses geradewegs immer weitergehen und sich nicht ablenken lassen. In meiner Arbeit ist es wichtig, den Faden zu behalten.

Bereust du es, dass du dich zu dem Studium hast überreden lassen?

Jetzt nicht mehr. Ich habe viele Jahre gedacht, Mensch, hättest du doch Sprachen oder Psychologie studiert! Aber jetzt mache ich genau das, was mich interessiert. Im Nachhinein merke ich eben auch, dass mich vieles von dem, was ich im Jurastudium gelernt habe, in meiner Arbeit unterstützt.
Ich stelle übrigens immer wieder fest, dass Klienten meinen Hintergrund als Juristin schätzen. Viele registrieren das und finden es gut. Jura hat offensichtlich etwas Vertrauen schaffendes!

www.therapiestocker.de

Foto: privat

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