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Gloria Gans

Farbe in Licht verwandeln

Die Bilder hingen zwei Minuten, da sollen schon alle mit einem Lächeln durch die Gänge gelaufen sein. Es werden nicht nur die vitalen, prächtigen Farben gewesen sein, die den Gute-Laune-Pegel in dem eher schmucklosen Verwaltungstrakt hochschnellen ließen. Auch die strahlende Herzlichkeit, mit der Gloria Gans Menschen begegnet, erwärmt die Raumtemperatur unmittelbar.

Malerei mit doppeltem Boden

„Imagination“, unter diesem Titel ist eine Auswahl ihrer Malerei aktuell im Evangelischen Bildungswerk München e.V. zu sehen. Und ja: Kräftige, intensive Farben bringen den weißen Wänden das Leuchten bei. Stark inspiriert wurde Gloria Gans in ihrer künstlerischen Entwicklung von Günter Fruhtrunk, einem ihrer Lehrer an der Akademie der Bildenden Künste München. Lebensfroh wirken ihre Bilder, voller Energie. Erst wenn man näher herangeht, zeigt sich: Ihre Malerei, die so faszinierend und anziehend wirkt, hat einen doppelten Boden. Besonders verblüffend ist der Effekt bei einem großformatigen, in allen Rottönen changierenden Gemälde mit prachtvoll gold-glänzendem Rand. Im lodernden Farbenspiel zeichnet sich eine hockende Gestalt ab, ein vor Anstrengung verzerrtes Gesicht schaut mich an: „Hard work for smart phones“ heißt das Bild, mit dem die Künstlerin jene in den Blick nimmt, die für den Rest der Welt die Drecksarbeit leisten.

Umweltverschmutzung, Migration oder Jugendkultur, das sind Themen, mit denen sich Gloria Gans intensiv beschäftigt. Allzu weit reisen muss sie für ihre Motive nicht, von ihrem Atelier am Künstlerhof aus hat die Malerin einen guten Blick. Dabei fühlte sie sich nach dem Einzug 2007 zunächst gar nicht wohl, in dem rundherum verglasten Ladenlokal. „Ich kam mir hier so ausgestellt vor“, sagt sie, und zupft an ihrem blauen Malerpulli. Bis jemand an der Tür klopfte. „Das hat alles verändert.“

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