Advents-Tour

Noch neun Tage bis Weihnachten. Und eine lange Liste in der Hand. Wie kriege ich in zwei Stunden möglichst viel unter einen Hut? Okay, es wird Neuhausen.

Seit meiner 24-kleine-Läden-Tour vor zwei Jahren bin ich gerne rund um den Rotkreuzplatz unterwegs. Und die Schaufenster der Grafikdesignerin Barbara Kleiber-Wurm will ich unbedingt noch sehen. Immer wieder schafft sie bezaubernde kleine Wunderwerke, im Advent sind sie besonders schön.

Laden_Grafik_Kunst – der etwas sperrige Name trifft es ganz gut. Zwischen Vintage-Möbeln vergangener Jahrzehnte arrangiert die Ladeninhaberin auch ihre eigenen filigranen Papierobjekte und Zeichnungen. Vor zwei Wochen dekorierte sie gerade um. Auf ihrem Schreibtisch bauschte sich in Fetzen gerissenes Papier zu großen Haufen. Mit beiden Händen griff die Künstlerin hinein, rüschte alles beherzt zusammen wie eine Halskrause und drapierte es um einen robusten Ast, gesammelt im Nachbarwald. Ein hübsch nostalgischer, gusseiserner Baumständer von der Oma gab dem Ganzen Halt. Nun verwandeln zwei leuchtend weiße Tannenbäume den abgedunkelten Galerieladen in eine märchenhaft beleuchtete Winterlandschaft.

Gleich um’s Eck, an der Wilderich-Lang-Straße, kommen Farbe und Glitzer ins Spiel. Seit 2012 verkauft Melanie Deventer Klamotten und Deko in ihrer „Hood“, sie ist hier im Viertel aufgewachsen und wohnt direkt neben dem Laden. Im letzten Jahr, als ich Bube & Dame entdeckte, hatte sich gefühlt das halbe Viertel um die Kasse herum versammelt und läutete bei fröhlicher Musik das Adventswochenende ein.

Auch heute finde ich auf Anhieb, was ich will, und laufe zügig ein Haus weiter. Über Kupferpfannen und schwerem Bräter baumeln Gartenzwerge und Nikoläuse, Weißwürstchen, Brezn und sogar ein kleiner Mixer aus Glas fröhlich im Fenster. Bis hoch unter die Decke reichen dicht an dicht mit Küchenutensilien und Tischkultur bepackte Metallregale. Mit geübtem Blick, ich habe es schon mit Staunen beobachtet, holt Kristina Sack jedes gewünschte Produkt in kürzester Zeit hervor. Heute leider nicht, alles ist dunkel. Montags geschlossen.

Ein Trüffelkäse von der Käsemaus hebt meine Laune. Handgefaltete Lampenschirme – Plisseetechnik – in einem sympathisch unaufgeräumten Kreativladen auch. Mir fehlt noch Kleinzeug, ein paar Karten. Die goldenen Sterne-Ketten bei Himmelblau in der Nymphenburgerstraße fand ich letztens sehr schön, Hannah Lange hatte sie mir gezeigt. 2019 ist sie als Teilinhaberin eingestiegen, führt den Laden nun zusammen mit ihrer Mutter und hat auch nicht vor, etwas anderes zu tun. Schon von weitem wirft der kleine Laden seinen hellen Schein aufs Pflaster. Lauter verführerisch glänzende kleine Dingelchen schmücken das weihnachtlich dekorierte Fenster. Aber, und das wird hier gerade ein Muster: drinnen ist kein Mensch. Ruhetag.

Es gibt so Momente…

Und dann fügt sich doch alles. Über Nebenstraßen laufe ich zurück. Hier ein Goldschmied mit ungewöhnlicher Deko. Dort ein Wäscheladen, eindeutig keine Kette. Und ein Wirtshaus, das ich nicht kenne. Als ich das hell erleuchtete Schild in der Winthirstraße vor mir sehe, habe ich ein sofort ein gutes Gefühl. Und ja, das Nellypap ist wirklich eine Entdeckung. Ausgesucht besondere, hochwertige Geschenkpapiere bedecken gleich eine ganze Wand. Boxen, Fotoalben, Notizblöcke und viele schöne Accessoires sind dekorativ verteilt. 2007 startete Annette Müller das Experiment “Papierladen” – es hat eindeutig funktioniert.  An diesem späten Dezembernachmittag trifft sich in der kleinen Papeterie ganz offensichtlich die gesamte Nachbarschaft beim Weihnachtseinkauf. Freundliche Gespräche in den schmalen Gängen (“Sollen wir uns einen Bogen davon und einen davon teilen?”), es herrscht eine ausgesuchte Höflichkeit. Man macht sich Platz, lächelnd, und ich schaue gerne zu, wie Annette Müller Taftbänder auf Maß zurechtschneidet. Für jeden hat sie ein freundliches Wort – und ich meine, da einen vertraut klingenden NRW-Ton herauszuhören. “Grün & Form”-Produkte aus Münster erkenne ich jedenfalls auf den ersten Blick. Dieses Teil da, heiß geliebt, hängt bei mir am Fenster. Mit so viel Wohlfühlgefühl hatte ich nicht mehr gerechnet, glücklich trage ich kleine Sterne und Tannenbäumchen aus Metall zur Kasse.

Ich hätte dann jetzt alles.

 

 

Bilder: Gunda Achterhold

 

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